Abrechnung nach Streitwert im Arbeitsrecht

Die Abrechnung des Anwaltshonorar nach Streitwert im Arbeitsrecht hat ihre Berechtigung aus folgenden Gründen:

  • Die Höhe des Haftungsrisikos der Rechtsanwältin / des Rechtsanwalts ist vom Streitwert abhängig.
  • Ein Mandat das viel Arbeitsaufwand erfordert soll für Mandanten nicht teurer sein, als eines, das wenig erfordert. Dadurch sollen sich Leute mit wenig Geld, die oft um geringere Beträge prozessieren, einen Rechtsstreit leisten können. Dabei geht der Gesetzgeber davon aus, dass Rechtsanwälte auch Rechtsfälle ordentlich bearbeiten, bei denen sie auf einen geringen Stundenlohn kommen. Der Gesetzgeber glaubt – teilweise zu Recht – an das Berufsethos der Anwälte. Im Gegenzug kann es natürlich sein, dass ein Rechtsfall mit einem sehr hohen Streitwert nur einen geringen Arbeitsaufwand erfordert.
  • Eine Mandantin / ein Mandant soll von vorneherein das Kostenrisiko abschätzen können.
  • Eine rechtliche Vertretung, die einen Rechtsfall innerhalb kurzer Zeit professionell zur völligen Zufriedenheit löst, ist viel wert. Sie ist wertvoller, als Vertretung, die für die selbe Lösung dreimal so viel Zeit (und Nerven) kostet. Deshalb kann eine Vergütung nach Zeitaufwand sehr ungerecht sein.

Warum ist das Anwaltshonorar so hoch?

  • In der Regel erledigen Anwälte viele Arbeiten, die die Mandanten nicht sehen, z.B. Urteile recherchieren, an Formulierungen im Schriftsatz feilen usw. EIne sorgfältige Mandatsbearbeitung ist tatsächlich viel Arbeit.
  • Eine selbständige Tätigkeit verursacht Kosten: Miete, Mitarbeiter, Büromaterial usw.
  • Selbständige tragen ihre Vorsorgekosten komplett selbst, d.h. Krankenkassenbeiträge, Rentenversicherung usw.
  • Anwälte haften für ihre Tätigkeit.
  • Anwälte können nur eingeschränkt ihr Honorar vereinbaren. Im Gesetz über die Vergütung der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (RVG) sind Mindestgebühren vorgesehen, die nur im Ausnahmefall unterschritten werden dürfen. Die meisten Anwälte sind sich einig, dass diese Gebühren durchschnittlich gerade für Kanzleikosten, Vorsorge und Lebensunterhalt ausreichen. Im Sozialrecht sind die gesetzlichen Gebühren oft zu niedrig, weshalb viele Anwälte kein Sozialrecht bearbeiten.

– Gegenfrage: Wieviel könnte es kosten, keinen Anwalt zu nehmen

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