Bekomme ich eine Abfindung bei Kündigung?

Wenn der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigt, hoffen viele Arbeitnehmer auf eine Abfindung. Hier erkläre ich, wie Sie eine Abfindung bei Kündigung durch den Arbeitgeber bekommen können und was Sie dabei beachten müssen.

Gesetzlicher Anspruch auf Abfindung

Viele Anwälte locken Arbeitnehmer, die eine Kündigung vom Arbeitgeber erhalten haben in ihre Anwaltskanzlei, indem sie eine Abfindung versprechen. Tatsächlich ist die Rechtslage jedoch so: Wenn Ihr Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigt, haben Sie nur in drei Fällen einen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung:

  • Wenn der Arbeitgeber in der Kündigung eine Abfindung schriftlich verspricht (§ 1a KSchG).
  • Wenn ein Sozialplan besteht, der für die Kündigung gilt, bzw. wenn die Kündigung sozialplanpflichtig ist. Das setzt einen zuständigen Betriebsrat voraus – (§ 112 BetrVG).
  • Wenn nach der Klage des Arbeitnehmers gegen die unwirksame Kündigung das Arbeitsgericht das Arbeitsverhältnis auflöst (§ 9 KSchG selten).

In allen anderen Fällen ist die Zahlung einer Abfindung bei Kündigung Verhandlungssache. Arbeitgeber zahlen eine Abfindung, weil sie Angst haben, einen Kündigungsschutzprozess zu verlieren. Das heißt, eine Abfindung bei Kündigung wird angeboten, wenn der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht klagt. Die Klage muss innerhalb einer Frist von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung bei Gericht eingehen. Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über eine Abfindung verlängern die Frist nicht. Genaueres hierzu und welche Fristen sonst noch zu beachten sind, finden Sie im Beitrag „Frist nach der Kündigung durch Abeitgeber für Klage u.a.“ hier.

Wie hoch ist die Abfindung bei Kündigung?

Im Kündigungsschutzprozess hat sich unter Anwälten und Arbeitsgerichten eine „Faustformel“ eingebürgert. Nach dieser Faustformel berechnet sich eine Abfindung so:

Abfindung=
Bruttomonatsgehalt  x  Jahre der Betriebszugehörigkeit  x  Faktor 0,5

Das „Bruttomonatsentgelt“ ist richtig ein Vierteljahresgehalt d.h. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, usw. werden anteilig dazugerechnet. Bei den Jahren der Betriebszugehörigkeit werden in der Regel nur die ganzen Jahre genommen, es wird abgerundet.

Der „Faktor“ bei der Berechnung der Abfindung bei Kündigung

Hart gefeilscht wird regelmäßig über den „Faktor“. Denn die Formel mit dem Faktor 0,5 ist nur eine Faustformel. Die tatsächliche Höhe einer Abfindung kann viel höher liegen oder niedriger. Wenn im Kündigungsschutzprozess das Gericht einen Vergleichsvorschlag macht, wählt es den Faktor je nach den Chancen im Kündigungsschutzprozess. Faktor 1 = der Arbeitnehmer hat gute Aussichten, Faktor = 0,2 – 0 wenn der Prozess für den Arbeitnehmer aussichtsloss erscheint.

Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bei der Abfindung

Die Abfindung bei Kündigung ist zu versteuern, sie fällt allerdings häufig nicht voll in die Steuerprogression, denn hier hilft die Fünftelregelung. Achtung! Wenn die Abfindung in mehere Raten aufgeteilt wird kann die Fünftelregelung entfallen. Die Fünftelregelung kann auch wegfallen, wenn die Abfindung in einem Jahr mit geringem Einkommen ausbezahlt wird. Fragen Sie im Zweifel einen Steuerberater.

Sozialversicherungsbeiträge fallen bei einer echten Abfindung=Entlassungsentschädigung in der Regel nicht an. Ausnahme: Freiwillige Krankenversicherung wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten wird.

Wovon ist die Höhe der Abfindung abhängig?

Bei der Antwort auf diese Frage spielt Verhandlungspsychologie eine große Rolle. Es ergibt sich häufig die paradoxe Situation, dass Sie um Ihren Arbeitsplatz kämpfen müssen, um eine Abfindung zu bekommen. Wenn Sie bei Ihrem Arbeitgeber nicht mehr arbeiten wollen, gibt es keinen Grund für den Arbeitgeber Ihnen Geld fürs Aufhören zu geben. Damit wird die Verhandlung um die Abfindung zur Nervensache.

Für die Höhe der Abfindung spielen – neben den Prozesschancen – meist folgende Fragen eine Rolle:

Faktoren für die Höhe der Abfindung aus Arbeitgebersicht:

  • Wie ist die finanzielle Situation des Arbeitgebers?
  • In welcher Höhe hat der Arbeitgeber Abfindungen bei Kündigung in der Vergangenheit bezahlt?
  • Wie hoch schätzt der Arbeitgeber sein Risiko ein, den Kündigungsschutzprozess zu verlieren?
  • Wie gut könnte der Arbeitgeber mit dem Risiko umgehen, dass Sie nach einem gewonnenen Kündigungsschutzprozess in den Betrieb zurückkehren? (Gibt es einen Arbeitsplatz für Sie? Gesichtsverlust für den Arbeitgeber? Auswirkung auf das Betriebsklima?…)
  • Glaubt der Arbeitgeber, dass Sie ernsthaft um Ihren Arbeitsplatz kämpfen?
  • Wie gut kann der Arbeitgeber mit der Unsicherheit durch einen Kündigungsschutzprozess umgehen?
  • Dauer des Kündigungsschutzprozesses. Denn wenn der Prozess sehr lange dauert, muss der Arbeitgeber möglicherweise viel Gehalt nachzahlen.

Faktoren für die Höhe der Abfindung aus Arbeitnehmersicht:

  • Wie gut sind Ihre rechtlichen Chancen, den Kündigungsschutzprozess zu gewinnen? (Information über den Kündigungsschutz finden Sie hier)
  • Wie sehr hängen Sie an ihrem Arbeitsplatz? (Sozialer Status, Betriebsklima, finanzielle Situation, usw.). Oder anders gefragt: Für wie viel Geld möchten Sie Ihren Arbeitsplatz „verkaufen“? Wo ist Ihre Untergrenze?
  • Wie hoch sind Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine neue Arbeitsstelle zu finden?
  • Können Sie sich vorstellen, bei dem Arbeitgeber weiterzuarbeiten? Wie groß ist Ihre Kränkung durch die Kündigung?
  • Wie gut können Sie mit der Unsicherheit durch einen Kündigungsschutzprozess umgehen?

Brauche ich einen Anwalt für die Verhandlung über eine Abfindung bei Kündigung?

Kündigungsschutzklage mit gutem Fachanwalt für Arbeitsrecht

Abfindungsverhandlungen werden nach einer Arbeitgeberkündigung durch die Rechtslage erschwert. Denn das rechtliche Ziel der Kündigungsschutzklage ist der Erhalt des Arbeitsplatzes. Aber ohne Kündigungsschutzklage gibt es meist keine Abfindung bei Kündigung. Die Kündigungsschutzklage wird so Mittel zum Zweck, um eine gute Abfindung zu bekommen. Dafür muss die Klage aber sehr gut begründet werden. Denn je besser Ihre Chancen im Kündigungsschutzprozess sind, desto höher wird in der Regel die Abfindung. Deshalb lohnt sich ein Anwalt. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht / eine Fachanwältin für Arbeitsrecht ist hier oft am Besten. Je komplizierter die Sach- und Rechtslage ist, desto wichtiger ist die arbeitsrechtliche Kompetenz des Anwalts/der Anwältin.

Verhandlungsteam für Ihre Abfindung bei Kündigung

Ein weiterer Grund spricht für einen Anwalt: Wenn der Arbeitgeber sicher weiß, dass Sie den Arbeitsplatz nicht mehr behalten möchten, ist Ihre Position in der Verhandlung sehr schwach. Allerdings kennt der Arbeitgeber zunächst ihre Gedanken nicht. Damit das so bleibt, hilft der Anwalt, der dann statt Ihnen mit dem Arbeitgeber verhandelt.

Können Sie es sich leisten, keinen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu nehmen?

Der wichtigste Grund für die Beauftragung eines Anwalts ist, dass bei einem Aufhebungsvertrag leicht etwas schief gehen kann, weil man als Laie im Arbeitsrecht etwas vergisst oder rechtliche Regelungen nicht beachtet. Wichtig kann ist auch eine Beratung wegen der Auswirkung der Abfindung auf das Arbeitslosengeld. Fachanwälte für Arbeitsrecht haben meist sehr viel Praxis mit Aufhebungsverträgen und wissen, welche Positionen in den Vertrag gehören. Für mich als Rechtsanwältin ist es immer schade, wenn ein Mandant mit einem Aufhebungsvertrag kommt, den er ohne Anwalt geschlossen hat und bereut. Schade deshalb, weil es sehr schwierig ist, einen geschlossenen Aufhebungsvertrag zu beseitigen.

Die Anwaltskosten werden häufig dadurch ausgeglichen, dass der Anwalt eine höhere Abfindung erreichen kann, als Sie alleine, und dass Sie der Anwalt vor Schaden bewahrt.

Wenn Sie Unterstützung für Ihren Kündigungsschutzprozess und/oder die Verhandlung wegen einer Abfindung bei Kündigung suchen, rufen Sie einfach in der Kanzlei Fey an oder schreiben eine E-Mail.

Kanzlei Fey Tel: 0711 – 450 55 68 info@fey-arbeitsrecht.de

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